Hamburg

Massive Kundenbeschwerden: Probleme der Post sind hausgemacht

Hamburg. Die Bundesnetzagentur erhielt nach eigenen Angaben allein im dritten Quartal 2022 mehr als 11.000 Beschwerden über verspätete oder verloren gegangene Briefsendungen. Diese ungewöhnlich hohe Anzahl der Beschwerden führt das Unternehmen auf den enormen Krankenstand im Personal zurück. Bereits im November 2021 hatte ein Großteil der Beschäftigten in der Briefzustellung ihrem Arbeitgeber eine Überlastung angezeigt. “Das Jahr 2021 ist von ständigen Übertragungen, Abbrüchen und Improvisationen geprägt. Seit der letzten Bemessung im September 2021 ist die Belastung noch weiter angestiegen. Jeden Tag wird die Zustellung neu geplant, es gibt keine Ablaufroutine mehr. Eine Zustellung im Sollzustand ist die Ausnahme geworden“…“, hieß es seinerzeit in dem Brief an die Niederlassungsleitung. Die Post entgegnete, dass sie in dem betroffenen Zustellstützpunkt Harburg Personalprobleme habe.

Probleme sind hausgemacht

Doch die Zahlen der Bundesnetzagentur zeigen auf, dass es sich offenbar um strukturelle Probleme handelt. Das belegt auch eine Umfrage in einer post-internen Gruppe, die uns vorliegt. Von mehr als 1000 Beschäftigten wurde angezeigt, dass sie mindestens einmal wöchentlich eine sogenannte „Übertragung“ (liegen gebliebene Post wird auf Kollegen aufgeteilt) durchführen müssen. Rund 25% sprechen sogar von nahezu täglicher Übertragung. 

Die Arbeit in der Zustellung war schon immer etwas für Hartgesottene. Bei Wind und Wetter und oft nur unzureichend mit der Möglichkeit, sich unterwegs mal frisch zu machen oder einen Toilettengang vorzunehmen. Doch der Ärger im Unternehmen begründet sich inzwischen auf eine Reihe von Entscheidungen des Konzerns, die an der Basis nicht mehr nachvollzogen werden können. 2015 etwa hat man versucht, neue Kollegen in extra dafür gegründete Tochterfirmen unterzubringen, damit verbunden ein Lohnunterschied von hunderten Euros. Die Proteste waren so groß, dass dieses Vorhaben inzwischen aufgegeben wurde.  Dann die Abschaffung der Stammbezirke, bisher ein Garant für Zuverlässigkeit und Kontinuität für Kunden der Post. Eine Reihe von organisatorischen Änderungen, etwa Prioritäten in der Auslieferung, machen den Zustellenden zu schaffen. Die Touren seien inzwischen so groß, dass sie oftmals nicht zu schaffen sind.

Gespräche mit Mitarbeitern oft wenig wertschätzend

Das Schlimmste aber sei die wenig wertschätzende Kommunikation. Nicht nur bei gesetzlich vorgeschriebenen Krankengesprächen oder anderen disziplinarrechtlichen Maßnahmen, sondern vor allem auch im täglichen Umgang. 

Gewerkschafter und Betriebsräte machen sich für harten Arbeitskampf stark

Die aktuellen Tarifvereinbarungen laufen am 31.12.2022 aus, dann stehen neue Verhandlungen an.  Und die drohen bereits jetzt aus dem Ruder zu laufen. “Aufwachen, es ist 5 vor 12”, trommelt die ver.di und bereitet die Beschäftigten auf einen harten Arbeitskampf vor. Bundesweit sollen in den nächsten Tagen die Mitarbeiter der Post beteiligt werden und der Gewerkschaft ihre Forderungen mitteilen. Und dabei geht es nicht nur um mehr Geld, sondern auch um bessere Arbeitsbedingungen. “Wie weit seid ihr bereit zu gehen”, wird in einem aktuellen Schreiben an die Belegschaft gefragt.

Post macht 3000 Euro Entlastungspaket von Tarifverhandlungen abhängig

Wie weit die Post derweil geht, beschreibt ebenfalls eine Betriebsrats-Info. Demnach soll das für Personal zuständige Vorstandsmitglied Dr. Ogilvie bereits Einmalzahlungen in jedweder Höhe ausgeschlossen und auf die bevorstehende Tarifrunde verwiesen haben. Vorausgegangen war die Frage, ob sich die Post an der steuerfreien Auszahlung der 3000 Euro aus dem Entlastungspaket beteiligt. Auf Nachfrage unserer Redaktion erhielten wir diesbezüglich keine Antwort.

Jetzt wird offenbar: Die Probleme in der Zustellung sind massiver als angenommen. In vielen Hamburger Zustellstützpunkten und auch im Landkreis Harburg bleibt regelmäßig Post liegen, in den vergangenen Tagen sind einzelne Zustellstützpunkte tagelang nicht in der Lage gewesen, die Bezirke überhaupt vollständig zu besetzen. Wie wird es erst in den nächsten Wochen sein?

Zeige mehr
Anzeige

4 Kommentare

  1. Im Phoenix-Viertel kommt die Post vielleicht noch 3x in der Woche. An allen anderen Tagen bekommen wir hier keine Briefe mehr und das seit Monaten. Danke, Post.

  2. Die Postbank hat 3 Monate gebrauch t,mein Girokonto zu schließen und mein geld auf das neue Girokonto zu überweisen . Die sollten man den Laden dicht machen ,die sind nur noch unfähig . Gestern bekam ich dann das entschuldigungsschreiben ,jetzt schon ??

  3. Wir wohnen im Luhering und bekommen seit 3 Wochen keine Werbung mehr von Kaufland. Seit Jahren beschwerte ich mich bereits das der „Blick aktuell“ nicht regelmäßig geliefert wird.

    Damals hatten wir noch eine Postboten die regelmäßig kam, hatte sie frei, war in Urlaub oder krank bekamen wir die Werbung nicht. Sie wurde leider versetzt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert