Freilichtmuseum Kiekeberg

„Vom Acker in den Topf – Erntezeit im Museum“ zeigt die Verarbeitung von Nahrungsmitteln früher und heute

Rosengarten-Ehestorf. Herbstzeit ist Erntezeit! Bei der neuen Veranstaltung „Vom Acker in den Topf – Erntezeit im Museum“ geht es am Kiekeberg um altes Wissen, das wieder im Trend ist: Kochen und die nachhaltige Konservierung von Lebensmitteln. Ein vielseitiges Programm wartet auf die Besuchenden: Die „Gelebte Geschichte“-Darstellenden kochen auf verschiedenen historischen Herdstellen, Kinder backen Fladenbrot über dem offenen Feuer und lauschen den Abenteuern von „Zickzack und Zuppel“, dem Kiekeberger Kinderbuch. Zum letzten Mal zeigt die Sonderausstellung „Herdanziehungskraft. Küche und Kochen“ Einblicke in 150 Jahre Küche, Gerätschaften und Rezepte. Der Eintritt kostet 9 Euro, unter 18 Jahren ist er frei.

Ohne Kühlschrank, Eistruhe und Lebensmittelladen wurde die Ernte früher gleich verarbeitet und wanderte „vom Acker in den Topf“. Auch das Einkochen, Fermentieren oder Dörren waren und sind bewährte Methoden, um Erntefrüchte für die Winterzeit zu erhalten. Am Kiekeberg sehen Besuchende, wie es funktioniert: Bei der „Gelebten Geschichte“ im Jahr 1804 machen die Mägde Wurzel- oder Kohlgemüse durch Bakterien, Hefen oder Enzyme haltbar (fermentieren). Die Selbstversorgung mit Gemüse, Obst und Kräutern sicherte die Eigenständigkeit der Dorfbewohner. Authentisch gekleidet schmücken die Darstellenden den Erntewagen mit der traditionellen Erntekrone. Er wird anschließend von einem Ochsengespann durch das Heidedorf gezogen. Kinder können selbst Erntesträuße aus Kornähren, Blumen und Früchten basteln. Sie backen Fladenbrot über dem offenen Feuer und stellen einen Kartoffelaufstrich dafür her. Bei Lesungen aus „Die tollen Abenteuer von Zickzack und Zuppel“ erfahren sie auf humorvolle Weise von Ziege, Maus und Floh, wie das Leben früher war. Währenddessen köchelt auf der Bodenherdstelle Apfelkompott wie vor 300 Jahren. Das „ArchäoMobil“ des Archäologischen Museums Hamburg erklärt am Kiekeberg, wie einst Feuer gemacht wurde und wie Archäologen arbeiten.

Am Fischerhaus aus der Elbmarsch räuchert ein Fischer der „Gelebten Geschichte“ Forellen über Buchenholz wie um 1904. Seine Frau kocht am gusseisernen Herd Obst und Gemüse aus dem Garten ein. Damals kam das „Einwecken“ durch Johann Weck in Mode, wozu ein „Weck“-Topf oder -Glas gehörte – hatte man ihn wie die Fischerfamilie nicht, wurde „eingebrannt“.

An der „Nissenhütte“ dörrt eine Not-Gemeinschaft der „Gelebten Geschichte“ Obst und backt Kartoffelscheiben auf der improvisierten „Kochhexe“. Museumsdirektor Stefan Zimmermann erklärt bei Führungen in der „Königsberger Straße“ den Wandel des Landlebens in den 1950er bis 1970er Jahren.

Nur noch am Sonntag, dem 23. Oktober, steht die Sonderausstellung „Herdanziehungskraft. Küche und Kochen“ am Kiekeberg Besuchenden offen: Im Obergeschoss der Ausstellungswelt “Agrarium“ sehen Interessierte 150 Jahre Koch-Geschichte – vom Kessel bis zur Induktionskochplatte mit Küchenhilfen wie der „Flotte Lotte“, dem „Schneidboy“ und dem ersten „Thermomix“, die das Kochen effizienter machten.

Die „Jungen Landfrauen Kreis Harburg“ zeigen Besuchenden, was sich alles aus Kürbis zubereiten lässt. Der Kürbis kam im 16. Jahrhundert aus Amerika nach Europa, aber erst in den vergangenen 100 Jahren wurde er in der regionalen Küche verarbeitet.

Das „Agrarium“ feiert in diesem Jahr 10-jähriges Bestehen – zur landwirtschaftlichen Vermittlung gehören viele Mitmachstationen, Veranstaltungen und Kochkurse.

Vom „Gasthaus zum Kiekeberg“ gibt es eine deftige Kartoffelsuppe auf dem Museumsgelände. Der museumseigene Gasthof „Stoof Mudders Kroog“ bietet norddeutsche Spezialitäten. Die Gerichte werden aus traditionellen und saisonalen Zutaten hergestellt. Seinen Namen erhielt der „Kroog“ in Erinnerung an Ella Stoof, die letzte Betreiberin des Gasthofs in dem Marschachter Pfarrwitwenhaus. Von ihren Nachbarn und Gästen, die sie schon damals mit Bratkartoffelgerichten erfreute, wurde sie liebevoll die “Stoof Mudder“ genannt. Das RöstereiCafé „Koffietied“ im „Agrarium“ bietet selbst gerösteten Kaffee und sortenreine Spezialitäten für zuhause.

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